XO LustikuS
06.08.2008, 11:15
Das chinesische Regime trotzt dem IOC und zensiert viele Webseiten auch während den olympischen Spielen für Journalisten und für seine Bürger. Mit einem ausgeklügelten Überwachungssystem. Die neue Ausgabe der CHIP zeigt, wie die "Great Firewall" funktioniert.
Die Idee ist so simpel wie effektiv: Was in der Realität funktioniert hat, könnte auch im Internet erfolgreich sein. Die chinesische Mauer in ihrere heutigen Form wurde vor mehr als 500 Jahren gebaut, um die Chinesen vor den Mongolen zu schützen. Jetzt braucht China eine Mauer, um Informationen aus dem Land zu halten. Die chinesische Regierung hat deshalb mit der großen Firewall ein virtuelles Gegenstück zur Mauer geschaffen. Die Chinesen nennen es ehrfürchtig den "Goldenen Schutzschild".
In Wahrheit ist es das wohl ausgeklügeltste Überwachungssystem der Welt, mit dem das chinesische Internet rund um die Uhr kontrolliert und zensiert wird. Wer im Reich der Mitte etwa unerwünschte Begriffe wie Tibet oder Taiwan in eine Suchmaschine eintippt, erhält die Fehlermeldung "Ihre Verbindung wurde unterbrochen." Dahinter steckt ein riesiger, für den Nutzer undurschaubarer Spitzelapparat, an dem etwa 30.000 Internet-Polizisten mitarbeiten. Technisch blocken vor allem Router und Filter-Software den freien Informationsfluss.
Westliche Firmen haben tatkräftig am Aufbau der Firewall mitgearbeitet: So rüstet etwa der amerikanische Netzwerk-Spezialist Cisco Systems die Chinesen mit Überwachungstechnik aus.
Die gelieferten Router filtern zum Beispiel unerwünschte IP-Adressen. Die Folge: Ganze Webseiten können geblockt werden. Sabine Lobmeier, Pressesprecherin von Cisco Deutschland, erklärt dazu: "Unsere Geräte können dafür genutzt werden, den Zugang zum Internet zu limitieren." Cisco-Geräte seien beispielsweise auch in Bibliotheken im Einsatz, in denen der Internetzugang schließlich auch meist beschränkt sei. Spezielle Router habe man für China aber nicht entwickelt.
Gefiltert werden auch Domains und die angefragten Webseiten. Die chinesischen Zensurrechner erhalten eine Spiegelung der Nutzer-Suchanfrage und kontrollieren dann die angeforderten IP-Adressen. Unerwünschte Anfragen werden abgelehnt oder umgeleitet, etwa zu einer regierungsfreundlichen Seite. Unabhängig von der Domain untersuchen die Behörden die angeforderte URL und den Seiteninhalt auf verbotene Wörter. Bei unerwünschten Begriffen wird die Verbindung gekappt. So kann der Zugriff auf eine Webseite beim ersten Versuch funktionieren - zehn Minuten später aber von der Überwachungsbehörde gesperrt sein.
Das heißt nichts anderes, als dass sie sich an die chinesischen Zensurvorschriften halten und ihr Angebot limitieren. Andernfalls hätten sie gar kein eigenes Angebot in China aufbauen können. Stefan Keuchel, Pressesprecher von Google Deutschland, verteidigt die Entscheidung: "Wir müssen uns an lokale chinesische Gesetze halten." Immerhin versieht Google die von der Regierung gesperrten Suchergebnisse mit dem Hinweis, dass die Anfrage gegen lokale Vorschriften verstößt.
Das Perfide: China profitiert sogar von seiner Websperre. Die entwickelte Technik und das Expertenwissen zur Filterung sind ein Exportschlager - Insider vermuten, dass die Chinesen ihre Technik bereits in viele andere Länder verkauft haben.
Zensur in Zahlen
30.000 - Internet-Polizisten überwachen das Netz in China
48 - Cyber-Dissidenten waren Anfang 2008 inhaftiert
10 - Jahre Gefängnisstrafe verhängt China maximal bei Verstößen gegen die Zensur-Vorschriften
4 - Cyber-Dissidenten sind durch die Zusammenarbeit von Yahoo mit den chinesischen Behörden in Haft
400 bis 500 - zensierte Wörter gibt es allein für das Massaker am Platz des Himmlischen Friedens in Peking
8 - chinesische Internetprovider sind mit dem World Wide Web verbunden
64 von 100 - topgelisteten Treffern zum Suchbegriff Tibet waren einer US-Studie zufolge in China auf Google gesperrt
200.000 - Seiten wollten US-Forscher in einer Feldstudie in China aufrufen. 50.000 davon waren gesperrt
210 Millionen - Chinesen haben offiziellen Angaben zufolge Zugang zum Netz
Die Idee ist so simpel wie effektiv: Was in der Realität funktioniert hat, könnte auch im Internet erfolgreich sein. Die chinesische Mauer in ihrere heutigen Form wurde vor mehr als 500 Jahren gebaut, um die Chinesen vor den Mongolen zu schützen. Jetzt braucht China eine Mauer, um Informationen aus dem Land zu halten. Die chinesische Regierung hat deshalb mit der großen Firewall ein virtuelles Gegenstück zur Mauer geschaffen. Die Chinesen nennen es ehrfürchtig den "Goldenen Schutzschild".
In Wahrheit ist es das wohl ausgeklügeltste Überwachungssystem der Welt, mit dem das chinesische Internet rund um die Uhr kontrolliert und zensiert wird. Wer im Reich der Mitte etwa unerwünschte Begriffe wie Tibet oder Taiwan in eine Suchmaschine eintippt, erhält die Fehlermeldung "Ihre Verbindung wurde unterbrochen." Dahinter steckt ein riesiger, für den Nutzer undurschaubarer Spitzelapparat, an dem etwa 30.000 Internet-Polizisten mitarbeiten. Technisch blocken vor allem Router und Filter-Software den freien Informationsfluss.
Westliche Firmen haben tatkräftig am Aufbau der Firewall mitgearbeitet: So rüstet etwa der amerikanische Netzwerk-Spezialist Cisco Systems die Chinesen mit Überwachungstechnik aus.
Die gelieferten Router filtern zum Beispiel unerwünschte IP-Adressen. Die Folge: Ganze Webseiten können geblockt werden. Sabine Lobmeier, Pressesprecherin von Cisco Deutschland, erklärt dazu: "Unsere Geräte können dafür genutzt werden, den Zugang zum Internet zu limitieren." Cisco-Geräte seien beispielsweise auch in Bibliotheken im Einsatz, in denen der Internetzugang schließlich auch meist beschränkt sei. Spezielle Router habe man für China aber nicht entwickelt.
Gefiltert werden auch Domains und die angefragten Webseiten. Die chinesischen Zensurrechner erhalten eine Spiegelung der Nutzer-Suchanfrage und kontrollieren dann die angeforderten IP-Adressen. Unerwünschte Anfragen werden abgelehnt oder umgeleitet, etwa zu einer regierungsfreundlichen Seite. Unabhängig von der Domain untersuchen die Behörden die angeforderte URL und den Seiteninhalt auf verbotene Wörter. Bei unerwünschten Begriffen wird die Verbindung gekappt. So kann der Zugriff auf eine Webseite beim ersten Versuch funktionieren - zehn Minuten später aber von der Überwachungsbehörde gesperrt sein.
Das heißt nichts anderes, als dass sie sich an die chinesischen Zensurvorschriften halten und ihr Angebot limitieren. Andernfalls hätten sie gar kein eigenes Angebot in China aufbauen können. Stefan Keuchel, Pressesprecher von Google Deutschland, verteidigt die Entscheidung: "Wir müssen uns an lokale chinesische Gesetze halten." Immerhin versieht Google die von der Regierung gesperrten Suchergebnisse mit dem Hinweis, dass die Anfrage gegen lokale Vorschriften verstößt.
Das Perfide: China profitiert sogar von seiner Websperre. Die entwickelte Technik und das Expertenwissen zur Filterung sind ein Exportschlager - Insider vermuten, dass die Chinesen ihre Technik bereits in viele andere Länder verkauft haben.
Zensur in Zahlen
30.000 - Internet-Polizisten überwachen das Netz in China
48 - Cyber-Dissidenten waren Anfang 2008 inhaftiert
10 - Jahre Gefängnisstrafe verhängt China maximal bei Verstößen gegen die Zensur-Vorschriften
4 - Cyber-Dissidenten sind durch die Zusammenarbeit von Yahoo mit den chinesischen Behörden in Haft
400 bis 500 - zensierte Wörter gibt es allein für das Massaker am Platz des Himmlischen Friedens in Peking
8 - chinesische Internetprovider sind mit dem World Wide Web verbunden
64 von 100 - topgelisteten Treffern zum Suchbegriff Tibet waren einer US-Studie zufolge in China auf Google gesperrt
200.000 - Seiten wollten US-Forscher in einer Feldstudie in China aufrufen. 50.000 davon waren gesperrt
210 Millionen - Chinesen haben offiziellen Angaben zufolge Zugang zum Netz